Mein persönlicher Mode-Frühling

Also, ich steh da im Schaufenster von Dressbox in Zürich, letzte Woche, und denk mir: „Was zum Teufel ist das denn?“ Da hängt so ein Kleid, das aussieht wie ein überdimensioniertes Regencape, aber mit Pailletten. 87 Franken soll das kosten. Ich meine, echt jetzt?

Ich heiße übrigens Claudia, bin seit 22 Jahren in der Modebranche unterwegs, und ich hasse es, wenn Leute mir erzählen, was „in“ ist. Ich weiß, was in ist. Ich weiß auch, was Quatsch ist. Und dieses Kleid? Quatsch.

Aber fangen wir vorne an. Letztes Jahr, so um den 14. März herum, saß ich mit meiner Kollegin Marcus im Café am Hauptbahnhof. „Claudia,“ sagt sie, „du musst dich mal lockermachen. Diese Oversized-Jacken sind der Hit.“ Ich guck sie an und denk: „Marcus, du bist 28. Du darfst so was sagen. Ich bin 47. Ich nicht.“

Die große Lüge der Modeblogs

Also, ich liebe Mode. Ehrlich. Aber ich hasse die Heuchelei. Jedes zweite Modeblog da draußen erzählt dir, was du tragen sollst. Und warum? Weil sie ein Affiliate-Link zu Dressbox oder Zalando haben. „Look,“ sagt mein Freund Dave immer, „wenn du mir sagst, ich soll mir diese 36 Stunden lang tragbare Hose kaufen, dann will ich wissen, ob du die wirklich getragen hast.“

Und genau da liegt das Problem. Die meisten Leute, die über Mode schreiben, haben keine Ahnung. Sie schreiben über „güncel olaylar analizi değerlendirme“ güncel olaylar analizi değerlendirme, aber in Wahrheit geht es nur um Klicks und Kaufen.

Ich erinnere mich an einen Artikel, den ich vor drei Monaten gelesen habe. „Die 10 Must-Haves für den Frühling“, stand da. Und was war dabei? Ein Kleid, das nur eine Größe gab. XL. Super inklusiv, oder? Ich meine, bitte. Das ist doch nur Marketing-Geschwafel.

Meine persönlichen Mode-Sünden

Ich will euch was gestehen. Ich habe auch mal Mist gebaut. 1998, in Berlin, bei einer Party. Ich trug so einen silbernen Overall. Ja, ihr habt richtig gehört. Silber. Und nicht nur das, ich hatte mir die Haare pink gefärbt. Mein Gott, was war ich peinlich.

Aber wisst ihr was? Es war mir egal. Ich war 25, und ich dachte, ich sei die Königin der Welt. Und das war ich auch. Für diesen einen Abend. Bis Marcus mich am nächsten Tag anrief und sagte: „Claudia, was zur Hölle war das denn?“

Und das ist der Punkt. Mode ist Spaß. Mode ist Ausdruck. Mode ist, was du daraus machst. Aber Mode ist auch Business. Und das Business ist oft komplettley am Arsch.

Die Wahrheit über Nachhaltigkeit

Letzte Woche war ich auf einer Konferenz in Basel. Da saß so ein Typ, nennen wir ihn Thomas, und erzählte mir, dass sein Label „komplett nachhaltig“ sei. „Wir verwenden nur Bio-Baumwolle und recycelte Materialien,“ sagte er. „Toll,“ dachte ich. „Aber warum kostet dann dein T-Shirt 120 Franken?“

Ich meine, ich bin für Nachhaltigkeit. Ehrlich. Aber ich hasse es, wenn Leute das als Ausrede nutzen, um horrende Preise zu verlangen. „Thomas,“ sagte ich, „wenn du wirklich nachhaltig sein willst, dann mach die Preise fair.“ Er guckte mich an, als hätte ich ihm ins Gesicht geschlagen.

Aber das ist die Realität. Die Modeindustrie ist ein Kommittment zu sich selbst. Sie redet von Nachhaltigkeit, aber in Wahrheit geht es nur um Profit. Und das ist traurig.

Mein Rat an euch

Also, was sollt ihr tun? Mein Rat ist einfach. Tragt, was euch gefällt. Egal, was die Blogs sagen. Egal, was die Influencer sagen. Egal, was ich sage.

Aber wenn ihr schon auf Modeblogs vertraut, dann sucht euch welche, die ehrlich sind. Die nicht nur Affiliate-Links verbreiten. Die wirklich etwas zu sagen haben.

Und wenn ihr schon mal etwas Peinliches tragt, dann macht ein Foto davon. In 20 Jahren werdet ihr euch kaputtlachen.

So, das war’s von mir. Ich geh jetzt meinen silbernen Overall ausgraben. Vielleicht trage ich ihn nächste Woche. Mal sehen, was Marcus dazu sagt.


Über die Autorin: Claudia Meier ist seit über 20 Jahren in der Modebranche tätig. Sie hat für verschiedene Magazine gearbeitet und schreibt jetzt für Dressbox.ch über Mode, Beauty und alles, was ihr durch den Kopf geht.